Für Uwe Nittel glich der Start in der dritten Runde der Truck Race Europameisterschaft einer Achterbahnfahrt. Einerseits mussste sich Nittel mit dem Circuito de Velocidad von Albacete nicht erst vertraut machen, auf der Strecke hatte er im vergangenen Jahr seinen ersten „richtigen“ EM-Einsatz bestritten.
Damit verfügte der Deutsche zwar noch nicht über die Routine, die sein Teamkollege Antonio Albacete nach vielen Starts auf dem verwinkelten Kurs entwickelt hat, kannte aber immerhin die Schlüsselstellen des Motodroms. Zudem radelten Nittel und Albacete am Freitagabend noch zwei Runden um den Circuito, wobei der Spanier dem Newcomer viele wertvolle Tipps gab.
Die umzusetzen, hatte Uwe Nittel aber erst einmal wenig Chancen. Denn im zweiten freien Training musste er seinen MAN schon nach wenigen Runden mit einem zunächst unbekannten Fehler am Rand der Rennstrecke abstellen. Nachdem der Truck ins Fahrerlager geschleppt worden war, begann die fieberhafte Suche nach dem Problem, das sich allerdings nicht auf die Schnelle lokalisieren ließ. Vorsichtshalber tauschten die Bernau-Crew und die MAN-Service-Mechaniker den Motor aus, was angesichts der knappen Zeit aber nicht rechtzeitig vor dem Beginn des Zeittrainings zu schaffen war. Bis zum ersten Training war der Race Truck dann wieder startbereit – doch Nittels Pechsträhne ging erst einmal weiter. Der Schnell-Reparatur war es zuzuschreiben, dass die Software für die Geschwindigkeitsregelung nicht richtig justiert war. Die furiose Aufholjagd, die den Pilot des Bernau-Teams vom Ende des Feldes bis knapp in die Top Ten brachte, war folglich wertlos – wegen Overspeed wurde Nittel nach dem Rennen disqualifiziert. Also begann das Spiel wenig später von neuem – allerdings mit korrekter Software. Auch im zweiten Rennen bekam der profesionnelle Motorsportler Gelegenheit zu beweisen, dass er durchaus kämpferische Qualitäten hat. „Ohne Lackaustausch“, wie es Lutz Bernau hinterher formulierte, pflügte sich Nittel aus der letzten Startreihe durch das dicht besetzte Feld. Ziemlich genau 20 Konkurrenten überholte er bei dieser Hatz, ein rekordverdächtiger Wert. Am Ende überquerte der MAN-Pilot die Ziellinie als Neuntplatzierter.
Am Sonntag lief es zunächst deutlich besser für den Pechvogel. Im Zeittraining um die Superpole, in dem wegen eines Defekts an Markus Oestreichs Renault de facto nur eine schnelle Runde möglich war, wurde Nittel mit der drittbesten Zeit gestoppt. Den Platz konnte er im folgenden Championshiprace erfolgreich verteidigen – der Podiumsplatz war ein kleiner Trost für das Pech vom Vortag. Die Serie, das sollte sich schnell zeigen, war damit aber noch nicht zu Ende. Wegen einer Anweisung des technischen Delegierten der FIA wurde in der knappen halben Stunde, die den Mechanikern zwischen dem dritten und dem vierten Rennen zur Vorbereitung der Trucks blieb, eine Änderung vorgenommen, die jedoch die Elektronik des MAN durcheinander brachte. Deshalb funktionierte die Bremsenkühlung nicht mehr richtig, Nittel fuhr das Rennen allerdings wegen der Teamwertung zu Ende und kam immerhin auf Platz 17.