Sechs Mal an der Spitze der Ergebnislisten – und trotzdem nur ein durchwachsenes Wochenende: Das ist die Bilanz des amtierenden Europameisters Antonio Albacete nach der zweiten Dienstreise der Truckracer ins ferne Russland. Auf dem engen Kurs in der Nähe der Westrussischen Stadt Smolensk traf sich diesmal ein deutlich kleinerer Kreis von EM-Teilnehmern als auf dem Nürburgring zum sechsten Kräftemessen in der Saison 2011.
Albacete startete gut in das russische Abenteuer. Schon bei den Presse- und Testfahrten am Freitag hatte der Spanier das Gefühl, für den engen und sehr schwierig zu fahrenden Kurs ein gutes Setup gefunden zu haben. Das sollte sich am Samstag bestätigen, als die offiziellen freien Trainingseinheiten sowie das erste Qualifying auf dem Terminplan standen. Als die Ergebnislisten ausgedruckt wurden, fand sich auf Platz 1 meist der Name des Champions, der nur im ersten freine Training knapp hinter seinem Teamkollegen Uwe Nittel auf Platz 2 rangierte. Albacete war auch beim Kampf um die Superpole hellwach und holte sich mit einer perfekten Runde die erste Pole Position dieses Wochenendes.
Das bedeutete: Antonio Albacete durfte beim Start zum ersten Championshiprennen von der Innenbahn starten, was allerdings nur dann ein Vorteil ist, wenn die nachfolgenden Kontrahenten vor der extrem engen ersten Kurve rechtzeitig bremsen. Der Spanier jedenfalls entkam dem „Schlachtfest“ ohne Blessuren und freute sich nach 14 Runden über einen makellosen Start-Ziel-Sieg und den klaren Vorsprung von 1,4 Sekunden auf Jochen Hahn.
Fünf Mal also stand der Fahrer mit der Startnummer 1 auf Platz eins, als am späten Samstag Nachmittag das Championshiprennen 2 gestartet wurde. Da sollte sich das Blatt wenden für den Madrilenen, der den Lauf aufgrund der gedrehten Startreihenfolge aus der vierten Reihe begann, aber schon nach gut vier Minuten wegen eines technischen Problems aufgeben musste. Der Kühler war durch ein von einem Konkurrenten verlorenes Eisenteil so schwer beschädigt worden, dass ein Weiterfahren unmöglich war.
Am Sonntag zeigte sich der Champion zunächst gut erholt, sowohl im Warm up als auch im Qualifying war er wiederum der Beste im Starterfeld und rangierte jeweils auf Platz eins. Doch als nach dem ersten Durchgang des Qualifyings die Top Ten ihre endgültige Startreihenfolge ausmachten, hatten andere die besseren Karten. Mit einer gegenüber dem Qualifying nur leicht veränderten Rundenzeit beendete Albacete das Zeittraining Superpole – doch die reichte diesmal nur zum fünften Startplatz. Albacete gelang es, beim Start seine Position zu verteidigen, doch in der drittletzten Runde war ein Hinterachsproblem der Grund dafür, dass der Europameister auch diesen Lauf nicht zu Ende fahren konnte.
Der letzte Showdown auf dem Autodrom von Smolensk sorgte dann wieder einmal dafür, dass den Teammechanikern die Arbeit nicht ausging. Die Hülle der meisten Trucks sah nach der Startphase arg ramponiert aus, die Rennstrecke war übersät mit „Kleinholz“, das beim beinharten Kampf um Platz und Punkte reichlich angefallen war. Auch Albacetes Cepsa-MAN sah nicht so aus, wie man sich einen Meistertruck vorstellt. Der Kühlergrill mit dem MAN-Logo hing schräg herab und baumelte nur noch an einer Aufhängung im Fahrtwind – doch Punkte gibt es für das Ergebnis und nicht für ästhetische Kriterien. Deshalb war Antonio froh, diesmal wieder über die volle Distanz gehen zu können. Aufgrund des vorangegangenen Ausfalls gestartet aus der letzten Reihe, arbeitete sich Albacete weit vor. Aber wegen der diversen Feindberührungen in der Startphase wurde ihm eine Durchfahrtstrafe aufgebrummt, was letztlich verhinderte, dass ein durchaus mögliches besseres Resultat zustande kam - der Spanier blieb auf Rang sechs hängen. Das war zwar weniger als erhofft, doch nach der vorangegangenen Pechsträhne ein gerade noch zufrieden stellendes Resultat.