Antonio behält die Führung
Nach einem für ihn enttäuschenden Saisonauftakt war es Antonio Albacete gelungen, bei den folgenden Rennterminen die Formkurve deutlich ansteigen zu lassen. Beim Rennen in Österreich hatte er mit einem gelungenen Auftritt Jochen Hahn vom Platz an der Sonne verdrängt. Der Spanier kam also als Tabellenführer zum Truck Grand Prix auf den Nürburgring. Würde die Top-Form da anhalten? Für den Spanier sprach, dass er die Rennstrecke mag und da schon einige Erfolge eingefahren hat. Aber für seinen härtesten Konkurrenten ist der Ring ebenso wir für Markus Oestreich das Heimrennen, bei dem sich die Piloten immer hoch motiviert zeigen und auf die lautstarke Unterstützung ihrer Landsleute zählen können.
Um es vorweg zu nehmen: Der Zweikampf der beiden dominierenden Akteure der letzten Jahre ging nahezu unentschieden aus, um einen Punkt konnte der Madrilene seinen Vorsprung am Ende ausbauen. Was aus Sicht Albacetes vor allem am belgischen Renault-Piloten Jean-Pierre Blaise lag, der den roten Cepsa-MAN im letzten Wertungslauf regelrecht abschoss und damit aus dem Rennen warf. (Blaise wurde dafür nach Rennende von den Stewards bestraft.) Damit war die Chance, den Abstand zum Verfolger – der seine „Nullrunde“ am Vortag geschrieben hatte – deutlich zu vergrößern, vertan.
Trotzdem unterstrich Albacete, dass mit ihm auch in der zweiten Hälfte der Saison zu rechnen sein wird. Er holte sich sowohl am Freitag als auch am Sonntag die Pole-Position und stand drei Mal auf dem Podium. Nach dem ersten Rennen am Samstag als Zweitplatzierter. Da hatte Verfolger Hahn eine Lücke erkannt, als der Spanier in der Schikane ein kurzfristiges Schaltproblem hatte und nicht wie gewohnt beschleunigen konnte. Im zweiten Lauf kämpfte sich der MAN-Pilot dann vom Siebten Startplatz aus nach vorne und wurde zum zweiten Mal an diesem Tag Zweiter, in diesem Fall hinter Adam Lacko. Am Sonntag ließ Antonio Albacete salopp ausgedrückt „nichts anbrennen“. Diesmal funktionierten Technik und Fahrer fehlerfrei, Hahn musste sich mit dem zweiten Platz begnügen.
Markus Oestreich ist ja auf dem Nürburgring eher auf der Nordschleife zu Hause. Trotzdem hatte er sich vorgenommen, auch nach dem Wechsel auf den MAN von Truck Sport Bernau an frühere Erfolge anzuknüpfen. Kein leichtes Unterfangen angesichts der Leistungsdichte der Top-Fahrer. Doch „Oese“ zeigte beim 28. Truck Grand Prix einmal mehr kämpferische Fähigkeiten und wurde am Ende mit zwei Podiumsplätzen belohnt. Und im Unterschied zu seinem Partner in der Teamwertung konnte er in allen vier Wertungsläufen punkten. 4-4-3-5-5-2 liest sich das Wochenende auf dem Ring aus Oestreichs Sicht: Im ersten Zeittraining gelang ihm knapp hinter Vrsecky die viertschnellste Runde, etwas über eine Zehntel Sekunde war der Tscheche schneller. Wären die beiden Kontrahenten nebeneinander um den 3629 m langen Ring gefahren, würde der Zeitunterschied einen Abstand von etwas mehr als drei Meter bedeuten. Im Rennen blieb es bei der Reihenfolge, „Oese“ wurde erneut auf Platz 4 notiert.
Am Sonntag wiederholten sich die Ereignisse – Markus Oestreich beendete Zeittraining und das erste Rennen des Tages wiederum mit identischen Platzierungen. Diesmal reichte es allerdings nur zum fünften Rang. Im abschließenden Wertungslauf bedeutete das für den Motorsportprofi wegen der gedrehten Startreihenfolge einen Startplatz aus der zweiten Reihe. Bis zum Ende des 13-Runden-Rennens hatte sich Oestreich dann um zwei Positionen nach vorne gearbeitet, er kam als Zweitplatzierter hinter dem Ungarn Norbert Kiss über den Zielstrich.

